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Finanzen von A bis Z: T wie Testament

Warum es jetzt nicht zu früh ist, ans Testament zu denken 

Auch wenn man lieber an die schönen Zeiten denkt: Ist der Nachlass geregelt, gibt das ein gutes Gefühl. (Foto: Freepik)

«Ein Testament – in meinem Alter?» Das werden sich viele Menschen sagen, die mitten im Leben stehen. Meine Devise: Schieben Sie die Nachlassregelung nicht auf die lange Bank. Ein Grund mehr, sich jetzt darum zu kümmern, ist das neue Erbrecht, das 2023 in Kraft tritt. 

Ein Testament ist nicht nur eine Sache für alte Menschen. Gerade wenn minderjährige Kinder im Spiel sind oder Sie ein Eigenheim haben, gibt es gute Gründe, Ihre Wünsche für den Fall der Fälle schriftlich festzuhalten. 

Ein Beispiel: Verstirbt ein Ehepartner, ist der verbleibende Elternteil einerseits Erbe – und andererseits verwaltet er das Vermögen der minderjährigen Kinder. Um diesen Interessenskonflikt zu lösen, setzt die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde KESB in der Regel eine Beistandsperson ein. Sie soll sicherstellen, dass die finanziellen Interessen der Kinder gewahrt bleiben. Mittels Ehevertrag und Testament können Sie zu Lebzeiten die bestmögliche Lösung für den überlebenden Ehepartner oder die überlebende Ehepartnerin finden. 

Neuerungen im Erbrecht ab 2023

Ab dem 1. Januar 2023 gilt das revidierte Schweizer Erbrecht. Es wird folglich bei Todesfällen ab diesem Stichdatum angewandt. Wichtige Änderungen:

  • Der Pflichtteil der Kinder wird auf 50 % reduziert.
    Aktuell beträgt der Pflichtteil der Kinder 75 %. 
  • Eltern erhalten keinen Pflichtteil mehr. 
    Aktuell erhalten Eltern der verstorbenen Person einen Pflichtteil, sofern der Erblasser keine Nachkommen hinterlässt. Ab dem 1. Januar 2023 ist dies nicht mehr der Fall.

Klarheit schaffen

Wer schon ein Testament erstellt hat, sollte wegen der bevorstehenden Erbrechtsänderung für Klarheit sorgen. Wenn Sie heute Ihren Kindern den Pflichtteil zugeteilt haben, so ist dies ab 2023 nicht mehr ganz eindeutig. Möchte der Erblasser die Kinder gemäss altem Erbrecht auf den Pflichtteil von 75 % setzen oder nach dem neuen Erbrecht mit nur 50 %? Indem Sie dies in Ihrem Testament präzisieren, schaffen Sie Klarheit. 

Vererben im Konkubinat

Leben Sie in wilder Ehe zusammen, ist ein Testament oder ein Erbvertrag umso sinnvoller. Denn nur bei Ehe oder eingetragener Partnerschaft erhält der oder die Überlebende einen Pflichtteil. Als Konkubinatspartnerin sind Sie keine gesetzliche Erbin – auch dann nicht, wenn Sie gemeinsame Kinder haben. 

Mehr Finanzwissen gibt es hier am 11. Oktober 2022 – mit U wie Unternehmerin. 

Finanzen von A bis Z: S wie Sicherheit

Wie Ihre Hypothek trotz steigender Zinsen tragbar bleibt

Können wir uns das Haus auch in Zukunft leisten? Damit die Hypothek tragbar bleibt, lohnt es sich, verschiedene Szenarien durchzurechnen. (Foto: Freepik)

Haben Sie eine Immobilie mit einer Hypothek? Etwa eine Saron- oder ehemals Libor-Hypothek? Dann sollten Sie sich jetzt fragen, ob der Moment gekommen ist, in eine Festhypothek zu wechseln.

Eine Saron-Hypothek orientiert sich am Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Wie hoch die SNB ihre Zinsen ansetzt, hängt von der weiteren Wirtschafts-, Inflations- und auch von der Währungsentwicklung ab. Wer glaubt, dass die SNB die Zinsen weiter anhebt, wird jetzt überlegen, in eine Festhypothek zu wechseln. Dies gilt insbesondere für jene Immobilienbesitzer:innen, die ein hohes Mass an Sicherheit lieben.

Leitzins, Zinsentwicklung & Co.

Ein paar Worte zu den Definitionen: Die Nationalbank legt einen Zins fest, den die Banken erhalten (respektive bei Minuszins bezahlen), wenn sie Geld bei der SNB deponieren. Dieser Leitzins beeinflusst alle anderen Geld- und Kapitalmarktzinsen – vor allem durch mögliche Szenarien, welche die Marktteilnehmer vorwegnehmen. Also durch Angebot und Nachfrage.

Hilfreiche Informationen liefert die Zinskurve, welche die Zinsniveaus bei verschiedenen Laufzeiten miteinander vergleicht. Drei Varianten seien hier genannt: 

  • Bei einer normalen Zinskurve gilt: Je länger die Laufzeit, desto höher der Zins. Die Anlegerin oder der Anleger möchte für sein längeres Engagement automatisch auch höher entschädigt werden.
  • Bei einer flachen Zinskurve sind die Zinsen bei kurzen wie auch bei langen Laufzeiten gleich hoch. Ein Zeichen dafür, dass der Markt künftig tiefere Zinsen erwartet. 
  • Ausserdem kennen wir die inverse Zinskurve, das Gegenteil der normalen Zinskurve. Hier sind die kurzfristigen Zinsen höher als die mittel- und langfristigen Zinsen. Meistens rechnen die Marktteilnehmer dann mit einer Rezession.

Szenarien durchrechnen

In welche Richtung sich die Zinsen entwickeln? Darüber kann nur spekuliert werden. Wichtig finde ich, dass man verschiedene Szenarien durchrechnet. Erst dann kann man mit gutem Gefühl sagen, dass die Tragbarkeit einer Hypothek auch in Zukunft gegeben ist. Und falls das nicht der Fall ist: Handeln, damit man auf der sicheren Seite ist.

Weitere Beiträge zu Hypothek und Immobilien

Mehr Finanzwissen gibt es hier am 27. September 2022 – mit T wie Testament.