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Finanzen von A bis Z: O wie Obligatorium

Welche Faktoren Ihre Altersrente aus der Pensionskasse beeinflussen

Kann man die Rendite in der Pensionskasse tatsächlich beeinflussen? Gewissermassen ja – man muss es nur wollen. (Foto: Freepik)

Wer eine ideale Pensionskassenlösung sucht, muss sich erst einmal durch einen Dschungel von Begriffen schlagen. Das soll uns nicht entmutigen, denn wir haben ja Pläne für die Zukunft. Ein klärender Blick auf die 2. Säule der Schweizer Altersvorsorge.

Fangen wir mit dem Wesentlichen an: Wer heute hart für das eigene Geld arbeitet, will den gewohnten Lebensstandard vermutlich auch nach der Pensionierung beibehalten. Wenn Sie Unternehmerin sind und noch eine Pensionskasse suchen, können Sie jetzt die Weichen dafür stellen. Vielleicht aber sind Sie schon an eine Pensionskasse angeschlossen. Dann können Sie den Vorsorgeplan auswählen, der am besten zu Ihrer Situation passt. Das Ziel in beiden Fällen: eine möglichst hohe Rendite und eine möglichst niedrige Steuerlast. 
Wieviel Ihres Pensionskassen-Geldes im Obligatorium oder im Überobligatorium für Sie arbeitet, macht im Alter einen Unterschied. Und auch ob Ihre Pensionskasse für die Altersrente das Modell «gesplittet» oder «umhüllend» anwendet. Diesen vier Begriffen gehen wir jetzt auf den Grund.

Das Obligatorium

Löhne zwischen CHF 25‘096 und CHF 86‘040 sind in der Pensionskasse im Obligatorium versichert. 
Hierfür gibt der Gesetzgeber Mindestleistungen vor. Die Verzinsung muss aktuell 1 % und der Umwandlungssatz 6.8 % betragen. 

Das Einkommen in Beispiel 1 liegt unter CHF 86‘040. Der Sparbeitrag wird deswegen im Obligatorium gutgeschrieben.

Das Überobligatorium

Der Lohnanteil, der über CHF 86‘040 liegt, ist im Überobligatorium versichert.
Die Pensionskassen können ihre Leistungen für diesen Lohnanteil frei gestalten. Es bestehen keine gesetzlichen Vorgaben. 

Das Einkommen in diesem Beispiel liegt über dem Grenzwert von CHF 86‘040. Ein Teil des Sparbeitrags wird im Obligatorium, ein anderer im Überobligatorium gutgeschrieben.

Freiwillige Einzahlungen und vorzeitiger Bezug

Wenn Sie Deckungslücken schliessen wollen und deswegen freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse tätigen, werden diese im Überobligatorium gutgeschrieben.

Wenn Sie hingegen Geld aus der Pensionskasse beziehen – etwa zur Wohneigentumsförderung (WEF) – so wird jeweils die Hälfte aus Obligatorium und Überobligatorium entnommen. 

Der Umwandlungssatz

Wie hoch die monatliche Altersrente aus der 2. Säule ausfällt, bestimmt der Umwandlungssatz. Für das Obligatorium definiert der Gesetzgeber den Mindestumwandlungssatz – aktuell 6.8 %. Mit der nächsten Gesetzesrevision soll er auf 6 % gesenkt werden, sofern nicht das Referendum dagegen ergriffen wird. 

Im Überobligatorium hat die Pensionskasse mehr Freiheiten: Sie kann den Umwandlungssatz für diesen Sparbetrag frei wählen. Ausserdem entscheidet die Pensionskasse, ob sie die beiden Sparbeträge aus Obligatorium und Überobligatorium gesplittet oder umhüllend in eine monatliche Rente umwandelt. 

Das gesplittete Modell sieht zwei unterschiedliche Umwandlungssätze vor. Beim umhüllenden Modell hingegen wird ein Umwandlungssatz für das gesamte Alterskapital angewandt. Die untenstehenden Beispiele zeigen: Auch wenn der Umwandlungssatz im umhüllenden Modell tiefer liegt, sind die gesetzlichen Mindestleistungen erfüllt.

Im gesplitteten Modell werden zwei Umwandlungssätze angewandt.
Im umhüllenden Modell wird ein einziger Umwandlungssatz angewandt. In diesem Beispiel fällt das zu Ungunsten der Arbeitnehmerin aus.

Entscheidungen mit Tragweite

Wie Sie sehen, können Ihre Entscheidungen rund um die Pensionskasse erhebliche Auswirkungen auf Ihr Leben im Alter haben. Setzen Sie sich frühzeitig damit auseinander, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Als unabhängige Vorsorgespezialistin beziehe ich auch die Vermögenswerte in der 3. Säule mit ein. Bei einer ganzheitlichen Beratung sollte schliesslich auch die Steueroptimierung nicht fehlen. 

Mehr Finanzwissen gibt es hier am 2. August 2022 – mit P wie Prinzipien. 

Finanzen von A bis Z: N wie Neubau

Wie Hypotheken und berufliche Vorsorge miteinander zusammenhängen

Endlich angekommen! Ein Eigenheim ist der grosse Traum vieler Menschen. Nur: Wie funktioniert das mit der Finanzierung? (Foto: Freepik)

Ein geräumiges Haus im Grünen oder eine Eigentumswohnung in der Stadt? Das Thema Eigenheim treibt viele Menschen um. Der Blogbeitrag zeigt Ihnen, wie Sie mit der Finanzierung weiterkommen.

Lange schon liebäugelt Carla mit der Idee, ein eigenes Haus für sich und ihre Familie zu haben. Jetzt fürchtet sie, die Hypothekarzinsen könnten bald deutlich steigen. Damit sie beim nächsten Traumobjekt rasch handeln kann, will sie sich rüsten. Die grossen Fragen: Wie ist das Traumhaus zu finanzieren? Und was können Carla und ihre Familie sich eigentlich leisten?

Hypotheken: wichtige Kennzahlen 
Wer in der Schweiz ein Eigenheim bauen oder kaufen möchte, dessen Weg führt mehrheitlich zu einer Bank: Ein Kredit in Form einer Hypothek hilft, die finanzielle Belastung zu reduzieren. Als Eigenmittel sollten Sie mindestens 20 % des Immobilienpreises mitbringen. 10 % davon müssen hartes Eigenkapital sein und dürfen nicht aus der Pensionskasse stammen. Das folgende Rechenbeispiel führt die Zahlen vor Augen:

Konkrete Zahlen: Das Traumhaus im Rechenbeispiel.

Die Bank hat ein Interesse daran, dass die Hypothek im vereinbarten Zeitrahmen abgezahlt wird. Deswegen berechnet sie die Tragbarkeit. Genügt Ihr Bruttoeinkommen, um das geliehene Geld zurückzubezahlen? Im obigen Beispiel sollte ein Drittel des Kredits in den ersten 15 Jahren amortisiert werden, die verbleibende Hypothek macht am Schluss nicht mehr als 2/3 des Immobilienpreises aus.

Kapitalbezug aus der beruflichen Vorsorge
Eine Hypothek wäre langfristig tragbar, aber Ihnen fehlen die 20 % Eigenmittel? Vielleicht können Sie die berufliche Vorsorge nutzen. In der Schweiz können Sie für Wohneigentum Gelder aus der 2. und der 3. Säule beziehen – vorausgesetzt Sie werden das Eigenheim auch selbst bewohnen.

Vorbezug von Pensionskassengeldern (2. Säule)

  • Kapital aus der Pensionskasse:
    Ihr Pensionskassenausweis zeigt Ihnen, wie viel Geld Sie aus der 2. Säule für Ihr Eigenheim beziehen können. Klären Sie als erstes unbedingt ab, wie sich bei einem Kapitalbezug die IV- und Hinterlassenenleistungen verändern (Leistungsprimat/Beitragsprimat). Falls bei einem Ehepaar zwei Pensionskassen für den Kapitalbezug zur Auswahl stehen: Prüfen Sie genau, welche Pensionskasse sich eignet. 
    Freiwilllige Einzahlungen durch Deckungslücken können erst wieder steuerlich abgezogen werden, wenn der Vorbezug wieder einbezahlt wurde. Natürlich muss auch die Verzinsung des Alterskapitals in Betracht gezogen werden. Deshalb nicht einfach eine Münze werfen sondern genau hinschauen, welche Pensionskasse geplündert werden soll.
  • Pensionskasse als Pfand: 
    Alternativ zum Kapitalbezug können Sie Ihr Pensionskassen-Guthaben als Sicherheitspfand einsetzen – sofern die Tragbarkeit gegeben ist. Sollten Sie Ihre Hypothek nicht zurückzahlen können, greift die Bank auf das Pfand zurück. Sinnvoll ist das, wenn Ihr Zins in der Pensionskasse höher ist als der Zins, den Sie der Bank bezahlen, natürlich alles nach Steuern.

Gelder aus der Säule 3a
Im Rahmen der Wohneigentumsförderung können Sie Gelder aus der Säule 3a für Ihre selbstgenutzte Immobilie oder zur Amortisation der Hypothek einsetzen.
Anders als bei der Pensionskasse, können Sie die bezogenen Gelder aus der Säule 3a nicht wieder zurückzahlen. Für Einzahlungen gilt hier weiterhin der gesetzliche Maximalbetrag.
Auch die 3. Säule können Sie als Sicherheit für die Hypothek verpfänden.

Vorsorgelücken vermeiden
Gut möglich, dass Sie jetzt realisiert haben: Unter Einbezug der beruflichen Vorsorge haben Sie mehr Möglichkeiten als vermutet. Pensionskasse und Säule 3a sind wichtige Pfeiler für die Deckung der Lebenshaltungskosten im Alter. Damit Sie später nicht ohne Vorsorge dastehen, empfiehlt es sich, alles gut durchzurechnen. 

Wenn Sie sich Hilfe bei der Finanzierung wünschen, die genau für Sie passt, kommen Sie auf mich zu. Als unabhängige Finanzberaterin verkaufe ich keine Produkte. Ich nehme nur Ihre Interessen wahr.

Mehr Finanzwissen gibt es hier am 19. Juli 2022 – mit O wie Obligatorium.